Jose Carlos Mariátegui      PERU KÄMPFT
UNA PUBLICACION DEL CIRCULO DE TRABAJO MARIATEGUI  EN ESPAŅOL Y ALEMAN
Peru kämpft
Nr. 5
Vorwort

Wir veröffentlichen die fünfte Nummer von "PERU KÄMPFT" mit der Absicht, Stellungnahmen und Analysen über die politischen Lage in Peru zu verbreiten. Zu deren Verständnis erscheint es uns notwendig, Beiträge über andere Themenbereiche wie die internationale Situation, Ideologie, Politik, Ökonomie, etc. mit ein zu beziehen.

Unsere Position liegt dabei mit Entschiedenheit auf der Seite des peruanischen Volkes, für dessen Interessen wir eintreten. In diesem Sinne möchten wir zum Verständnis der komplexen, schwierigen und riskanten Situation, in der sich derzeit der revolutionäre Prozeß in Peru befindet, beitragen.

Peru ist in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld der linken Öffentlichkeit auf der ganzen Welt gerückt, denn dort entwickelte sich inmitten des allgemeinen Rückgangs der revolutionären Massenbewegung und der Suche nach neuen Wegen der Revolution ein siegreicher Volkskrieg unter Führung einer kommunistischen Partei. In dem Maße, wie er die Fundamente der alten Gesellschaft erschütterte und die Grundlagen für eine neue schaffte, stellte er eine wachsende Gefahr für die Herrschaft des US-Imperialismus über seinen lateinamerikanischen Hinterhof dar, und die imperialistischen Massenmedien begannen über das Thema zu berichten. Ihre Darstellung mußte notwendigerweise die Interessen der Ausbeuter reflektieren und die Wirklichkeit entsprechend verzerren. Unser Anliegen ist es, dem die Sichtweise der fortschrittlichen Kräfte in Peru gegenüberzustellen.

Tatsache ist, daß der peruanische Volkskrieg 1991 das strategische Gleichgewicht erreicht hat und von Hunderttausenden als der Weg zum Sieg über die feudale Rückständigkeit und imperialistische Unterdrückung aktiv unterstützt wird. Er ist die größte soziale und revolutionäre Bewegung in der Geschichte des Landes und hat in über 13 Jahren des Kampfes eine machtvolle revolutionäre Armee und einen neudemokratischen Staat hervorgebracht, der sich parallel zur alten Macht entwickelt. All dies wurde erreicht durch die konsequente Anwendung der proletarischen Ideologie, des Marxismus-Leninismus-Maoismus auf die speziellen Bedingungen in Peru. Das Hauptverdienst kommt dabei dem Chef der Kommunistischen Partei Perus, dem Vorsitzenden Gonzalo zu, der den Weg und die spezifischen Gesetze der peruanischen Revolution aufzeigte, die sich in den Gonzalogedanken ausdrücken. Die KPP hat damit einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis des Maoismus als neue, dritte und höhere Etappe der proletarischen Ideologie geleistet und verfügt über die umfangreichste revolutionäre Erfahrung der heutigen Zeit.

Die Bedeutung der KPP und des Volkskrieges reicht damit weit über die Grenzen des Landes hinaus, und die Ereignisse in Peru sind für alle Menschen von Interesse, die eine wirkliche soziale Veränderung anstreben.
Zum Verständnis der internen Lage in Peru ist es notwendig, den Prozeß der beiden Gegenpole, der Revolution und der Konterrevolution zu unterscheiden. Die peruanische Regierung in Vertretung der Ausbeuter steht vor 3 Aufgaben zur Bekämpfung der Revolution: der Wiederbelebung des bürokratischen Kapitalismus, der Umstrukturierung des alten Staates und der Vernichtung des Volkskrieges. Im April 1992 führte sie gemeinsam mit der Armee einen Staatsstreich durch und kann seitdem offensichtliche Fortschritte verzeichnen. Für das Volk bedeutet das jedoch keinerlei Verbesserung seiner Situation, sondern ganz im Gegenteil größere Ausbeutung, mehr Hunger und Not und eine Ausweitung der imperialistischen Herrschaft.

Der Weg der Revolution, insbesondere der Volkskrieg, befindet sich derzeit in zunehmenden Schwierigkeiten, bedingt durch die Verhaftung der zentralen Führung der KPP im September 1992. Diese erfolgte in einem Moment, als sich die Partei anschickte, das strategische Gleichgewicht weiterzuentwickeln. Die unumgänglichen Voraussetzungen für die Machtübernahme im ganzen Land sind sechs: proletarische Führung, Massenbasis, strategische Zentralisierung, Armee neuen Typs, ein langwieriger Volkskrieg und günstige internationale Bedingungen. Die wichtigste davon ist die proletarische Führung, denn von ihr hängen die anderen ab. In dieser Situation war die Festnahme des Vorsitzenden Gonzalo ein entscheidender Schlag für den Kampf des peruanischen Volkes, der sich unmittelbar, langfristig und strategisch auf die Partei, den Volkskrieg und die peruanische Revolution auswirken wird. Das zeigen die Tatsachen ganz eindeutig, und vor dieser Wahrheit kann man nicht die Augen verschließen.

Darum haben der Vorsitzende Gonzalo und die zentrale Führung der Partei zu einer "Neuen Großen Entscheidung und einer Neuen Definition" aufgerufen. Deren politische Umsetzung in der derzeitigen Konjunktur bedeutet die Beendigung des Volkskrieges, "Kampf für ein Friedensabkommen und die Basis für einen 2. Parteitag schaffen!". Diese Politik ist keinesfalls gleichzusetzen mit Kapitulation, wie es die peruanische Regierung darstellt. Vielmehr entspricht sie einer äußerst komplexen nationalen und internationalen Situation und zielt darauf ab, den Volkskrieg vor einer Niederlage zu bewahren, der KPP die Initiative zurückzugeben und ihre Kräfte zu erhalten, damit sie ihre große Mission als organisierte Avantgarde des Proletariats auch in Zukunft erfüllen kann.

Wir vertreten die Position, daß die Politik des Friedensabkommens vollkommen richtig ist, und die angemessene Lösung für die derzeitigen Schwierigkeiten der peruanischen Revolution darstellt. Dabei stützen wir uns auf ihre politischen Grundlagen, die auf der konkreten Analyse der konkreten Situation beruhen.

Doch angesichts der Kompliziertheit der derzeitigen Probleme braucht es nicht zu verwundern, daß Gegenpositionen, und vor allem eine linksradikale Linie auftauchen, die die Schwierigkeiten des Volkskrieges bestreitet und für seine Fortsetzung eintritt. Fehlende Klarheit und Unfähigkeit zur Analyse der Wirklichkeit und zum Erkennen ihrer Entwicklungsgesetze bringen sie dazu, sich der Politik des Vorsitzenden Gonzalo zu widersetzen und ihm seine Funktion als Parteichef abzuerkennen. Diese Haltung dient einzig und allein dem Versuch der Reaktion und des Revisonismus, die Partei zu zerstören.

Bereits im Oktober letzten Jahres stellte der Vorsitzende Gonzalo fest: "Wenn in der Partei eine linksradikale Linie unter der falschen Fahne der 'Fortsetzung des Kampfes unter allen Umständen' die Oberhand gewinnen würde", entstände die Gefahr einer Allianz mit der Opposition, einschließlich der Revisionisten, Opportunisten und ihrer Lakaien, die unseren Vorschlag eines Friedensabkommens wütend angreifen. Und diese "bewußte oder unbewußte, offene oder versteckte Allianz ... wäre die Bedrohung der Existenz der Partei selbst, deren Zerstörung sie betreiben würde". Gleichzeitig fordert der Vorsitzende Gonzalo dazu auf, "...den Zweilinienkampf mit dem Ziel entwickeln, eine größere Einheit zu erreichen und dafür kämpfen, daß die Abweichungen so gering wie möglich sind. Die Stärke der Partei ist die Politik, doch wir sollten uns darauf vorbereiten, daß nur Wenige übrigbleiben. Das werden die Besten sein." Diese Erfahrung ist nicht neu in der Partei. Schon einmal, im Jahre 1979, als es um den Beginn des Volkskrieges ging, blieb fast die Hälfte der KPP auf der Strecke.

Aus all diesen Gründen benutzen wir diese Tribüne als eine Waffe in unserem Kampf für den Aufruf des Führers der KPP, dem Vorsitzenden Gonzalo: "Kampf für die Neue Große Entscheidung und die Große Definition!".

Oktober, 1994